Zum Inhalt
HINSCHAUEN. VERSTEHEN. WEITERDENKEN.
evoblickDAS MAGAZIN FÜR DEINEN ALLTAG

Neun Rubriken.
Viele neue Ideen.

Finanziell

Wie viel Eigenkapital braucht man für einen Hauskauf?

6 Min. Lesezeit

Ein eigenes Haus ist für viele Menschen ein großer Lebenswunsch, aber auch eine der wichtigsten finanziellen Entscheidungen. Deshalb stellt sich früh die Frage: Wie viel Eigenkapital braucht man für einen Hauskauf? Eine pauschale Antwort gibt es nicht, denn Einkommen, Kaufpreis, Zinsen, Nebenkosten und persönliche Sicherheit spielen zusammen. Trotzdem gibt es sinnvolle Orientierungswerte, die helfen, die eigene Finanzierung realistisch einzuschätzen und unangenehme Überraschungen zu vermeiden.

Wie viel Eigenkapital braucht man für einen Hauskauf? Die wichtigste Orientierung

Als solide Grundlage gilt häufig: Käuferinnen und Käufer sollten mindestens die Kaufnebenkosten aus eigenen Mitteln bezahlen können. Noch entspannter wird die Finanzierung, wenn zusätzlich ein Teil des Kaufpreises durch Eigenkapital gedeckt ist.

In der Praxis wird oft empfohlen, rund 20 bis 30 Prozent der Gesamtkosten selbst einzubringen. Das ist jedoch keine starre Regel. Manche Banken finanzieren auch mit weniger Eigenkapital, wenn Einkommen, Bonität und Objektbewertung überzeugen. Umgekehrt kann selbst viel Eigenkapital nicht ausreichen, wenn die monatliche Rate dauerhaft zu hoch wäre.

Wichtig ist daher nicht nur die Summe auf dem Konto, sondern das Gesamtbild: Wie sicher ist das Einkommen? Gibt es weitere Kredite? Bleibt nach der Rate genug Geld für Alltag, Rücklagen und Reparaturen? Eigenkapital ist also ein Sicherheitsbaustein, aber nicht der einzige Faktor.

Was zählt beim Hauskauf als Eigenkapital?

Eigenkapital ist alles, was Sie ohne zusätzlichen Kredit in den Kauf einbringen können. Es muss verfügbar, nachvollziehbar und für die Finanzierung nutzbar sein. Banken prüfen meist, woher das Geld kommt und ob es tatsächlich eingesetzt werden kann.

Typische Formen von Eigenkapital sind:

  • Guthaben auf Tagesgeld-, Festgeld- oder Girokonten
  • angespartes Geld auf einem Bausparvertrag
  • Erlöse aus dem Verkauf von Wertpapieren oder Fonds
  • bereits ausgezahlte Schenkungen oder Erbschaften
  • Eigenleistungen am Haus, wenn die Bank diese anerkennt
  • vorhandene Grundstücke oder schuldenfreie Immobilienwerte

Nicht alles wird automatisch gleich bewertet. Geld auf einem Konto ist unkompliziert. Wertpapiere können im Wert schwanken und müssen eventuell erst verkauft werden. Eigenleistungen werden oft nur begrenzt akzeptiert, weil sie Zeit, Fachkenntnis und verlässliche Umsetzung voraussetzen.

Auch eine Schenkung der Eltern kann helfen. Sie sollte aber sauber dokumentiert sein. Wenn das Geld nur geliehen ist, handelt es sich nicht wirklich um Eigenkapital, sondern um eine zusätzliche Verpflichtung.

Kaufnebenkosten: Der oft unterschätzte Teil

Beim Hauskauf fällt nicht nur der Kaufpreis an. In Deutschland kommen Kaufnebenkosten hinzu, die je nach Bundesland und Einzelfall unterschiedlich hoch ausfallen. Dazu gehören insbesondere Grunderwerbsteuer, Notar- und Grundbuchkosten sowie gegebenenfalls Maklerkosten.

Diese Nebenkosten werden von Banken nicht immer vollständig mitfinanziert. Deshalb ist es besonders wichtig, sie aus Eigenkapital zahlen zu können. Wer nur den reinen Kaufpreis betrachtet, plant zu knapp.

Zu den typischen Kaufnebenkosten gehören:

  • Grunderwerbsteuer, abhängig vom Bundesland
  • Notarkosten für Beurkundung und Abwicklung
  • Grundbuchkosten für Eintragung und Sicherheiten
  • Maklerprovision, falls ein Makler beteiligt ist
  • Kosten für Gutachten, Beratung oder zusätzliche Prüfungen

Neben den offiziellen Nebenkosten sollten auch Umzug, neue Möbel, Renovierungen, Gartenarbeiten oder kleinere Reparaturen bedacht werden. Gerade bei Bestandsimmobilien zeigt sich nach dem Einzug oft, dass mehr gemacht werden muss als zunächst geplant.

Eine Reserve ist deshalb sinnvoll. Wer nach dem Kauf kein Geld mehr übrig hat, gerät schneller unter Druck, wenn Heizung, Dach, Fenster oder Elektrik unerwartete Kosten verursachen.

Warum Eigenkapital die Finanzierung verbessert

Mehr Eigenkapital senkt in der Regel den Kreditbedarf. Dadurch fällt die monatliche Rate niedriger aus oder der Kredit kann schneller zurückgezahlt werden. Außerdem verbessert Eigenkapital oft die Verhandlungsposition gegenüber der Bank, weil das Ausfallrisiko geringer ist.

Für Banken ist entscheidend, wie hoch der Beleihungsauslauf ist. Vereinfacht gesagt: Je größer der Anteil des Kredits im Verhältnis zum Immobilienwert, desto höher ist das Risiko. Ein niedrigerer Kreditanteil kann sich positiv auf die Konditionen auswirken.

Eigenkapital wirkt auch psychologisch entlastend. Wer nicht jeden verfügbaren Euro in die Finanzierung stecken muss, kann ruhiger planen. Das ist besonders wichtig, weil ein Haus nicht nur gekauft, sondern über viele Jahre unterhalten wird.

Trotzdem sollte nicht das gesamte Vermögen eingesetzt werden. Ein finanzieller Puffer bleibt wichtig. Unerwartete Ausgaben gehören zum Immobilienbesitz dazu, und auch im Privatleben können Veränderungen eintreten.

Hauskauf mit wenig Eigenkapital: Möglich, aber riskanter

Ein Hauskauf mit wenig Eigenkapital ist grundsätzlich möglich. Manche Finanzierungen decken fast den gesamten Kaufpreis ab, teilweise sogar mehr. Solche Modelle setzen jedoch meist eine sehr gute Bonität, ein stabiles Einkommen und ein überzeugendes Objekt voraus.

Das Risiko liegt vor allem in der höheren Verschuldung. Die monatliche Belastung steigt, und bei sinkenden Immobilienwerten kann es problematisch werden, wenn die Immobilie verkauft werden muss. Dann reicht der Verkaufserlös unter Umständen nicht aus, um den Kredit vollständig abzulösen.

Auch steigende Zinsen nach Ablauf der Zinsbindung können stärker ins Gewicht fallen. Wer nur wenig Eigenkapital einsetzt, sollte daher besonders vorsichtig rechnen und nicht nur die aktuelle Rate betrachten.

Eine Finanzierung mit geringem Eigenkapital kann sinnvoll sein, wenn die Einkommenssituation sehr stabil ist und ausreichende Rücklagen vorhanden sind. Sie ist jedoch weniger geeignet, wenn bereits andere Schulden bestehen oder das Haushaltsbudget eng ist.

Eigenkapital realistisch planen

Die wichtigste Frage lautet nicht nur, wie viel Geld vorhanden ist, sondern wie viel davon eingesetzt werden sollte. Wer sämtliche Ersparnisse in den Kauf steckt, verliert finanzielle Beweglichkeit. Besser ist es, zwischen Kaufbudget, Nebenkosten und Notreserve zu unterscheiden.

Eine einfache Planung kann so aussehen:

  • zuerst alle verfügbaren Eigenmittel erfassen
  • davon eine private Notreserve abziehen
  • Kaufnebenkosten vollständig einplanen
  • Renovierungs- und Modernisierungskosten realistisch schätzen
  • prüfen, welche monatliche Rate dauerhaft tragbar bleibt

Bei der Monatsrate zählt nicht das Maximum, sondern die nachhaltige Belastung. Lebensmittel, Versicherungen, Mobilität, Urlaub, Kinder, Altersvorsorge und Instandhaltung müssen weiter bezahlbar bleiben. Auch Eigentümerinnen und Eigentümer sollten regelmäßig Geld für Reparaturen zurücklegen.

Hilfreich ist ein Haushaltsplan über mehrere Monate. Er zeigt, welche Ausgaben wirklich anfallen. Wer bisher Miete zahlt, sollte außerdem bedenken: Mit dem Eigentum entfallen zwar Mietzahlungen, dafür entstehen neue Kosten für Instandhaltung, Grundsteuer, Versicherungen und Verwaltung.

Häufig gestellte Fragen

Kann man ein Haus ganz ohne Eigenkapital kaufen?

Ja, grundsätzlich ist das möglich, aber es ist anspruchsvoll und riskanter. Banken verlangen dafür meist ein sehr stabiles Einkommen, eine sehr gute Bonität und ein marktgerecht bewertetes Objekt. Außerdem sind die monatlichen Raten häufig höher, weil der Kreditbetrag größer ist.

Reicht Eigenkapital nur für die Kaufnebenkosten aus?

Das kann reichen, wenn Einkommen, Objekt und Bonität überzeugen. Es ist jedoch sicherer, zusätzlich einen Teil des Kaufpreises selbst zu finanzieren. Wer nur die Nebenkosten abdeckt, sollte besonders sorgfältig prüfen, ob die Rate langfristig tragbar bleibt.

Sollte man sein gesamtes Erspartes in den Hauskauf stecken?

Nein, das ist meistens nicht empfehlenswert. Nach dem Kauf können Reparaturen, Umzugskosten oder private Notfälle auftreten. Eine ausreichende Rücklage schützt davor, sofort einen weiteren Kredit aufnehmen zu müssen oder finanziell unter Druck zu geraten.

Zählen Eigenleistungen am Haus als Eigenkapital?

Manche Banken erkennen Eigenleistungen teilweise an, wenn sie realistisch und nachvollziehbar sind. Das gilt vor allem bei handwerklicher Erfahrung. Überschätzte Eigenleistungen können jedoch gefährlich werden, weil Zeit, Materialkosten und fachliche Anforderungen oft höher sind als erwartet.

Wie finde ich heraus, welches Eigenkapital für mich sinnvoll ist?

Entscheidend sind Kaufpreis, Nebenkosten, Einkommen, Rücklagen und persönliche Risikobereitschaft. Eine sinnvolle Planung berücksichtigt nicht nur den Kredit, sondern auch laufende Hauskosten und künftige Reparaturen. So entsteht ein Budget, das zum Alltag passt.